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Reisereportage Quribimba-Archipel / Ibo (Mosambik)
Quirimbas - Abtauchen bei den fliegenden Fischen

Seit 20 Minuten begleiten sie unser Boot. Elegant steigen sie aus der Bugwelle empor und gleiten mit ihren flügelähnlichen Flossen knapp über dem Wasser neben uns her. Nach zehn Metern tauchen sie ohne einen Spritzer wieder in den azurblauen Ozean ab – jeder Turmspringer wäre neidisch auf so viel Grazie. Die fliegenden Fische sind die ersten Vorboten einer üppigen Unterwasserwelt, die die Besucher des Quirimba-Archipels erwartet. Die Kette aus rund 30 Eilanden vor der Küste Mosambiks ist ein Paradies aus Palmen, Muscheln und Korallen, das nach Jahrhunderte langem Dornröschenschlaf darauf wartet, entdeckt zu werden.

Fotostrecke: Traumziel Quirimba-Archipel
Quirimba-Bilder in Google Maps (via Panoramio.de)

Touristischer Aufschwung in Mosambik
Noch ist Mosambik als Reiseziel ein nahezu unbeschriebenes Blatt. "Entdecke das Unentdeckte" lautet der Slogan des Landes, das nach einem langen Bürgerkrieg erst seit 1992 politisch stabil ist. Die wenigen Gästebetten in einsamen Strandhütten teilten sich bisher Rucksacktouristen mit Luxusurlaubern, die von den Touristenmassen in der Karibik oder der Südsee vertrieben wurden. Doch die Zeichen für einen touristischen Aufschwung stehen gut: Neben der Amtssprache Portugiesisch beherrschen viele Menschen Englisch und sogar Deutsch. Rund 26.000 Mosambikaner lebten als Studenten oder Vertragsarbeiter in der DDR.

Eckbadewanne mit Blick aufs Meer
Einen echten Massentourismus wünschen sich jedoch nicht einmal die Hotelbetreiber. "Wir wollen die Fehler anderer Regionen hier nicht wiederholen", erklärt Kim van Renen, General-Managerin des einzigen Hotels auf Matemo Island. Anfang 2005 eröffnete das Luxus-Resort der Hotelgruppe Rani auf der drittgrößten der Quirimba-Inseln. 24 Chalets für je zwei Personen werden angeboten, allesamt ausgestattet mit Klimaanlage, Eckbadewanne mit Blick aufs Meer und direktem Zugang zum Strand. Klein aber fein – das ist das Motto der Betreiber. Nach Sklaverei, Piratentum und Kolonialherrschaft will man das Land vor einer weiteren Abhängigkeit bewahren – der des Massentourismus.

Tourismus und Entwicklungshilfe
Dabei ist der Ausbau des Tourismus in dieser Region der Erde auch ein Stück Entwicklungshilfe. Von den 100 Angestellten des Matemo Island Resorts stammen über 90 von der Insel. "Wir haben ihnen Englisch beigebracht und erklärt, wie man Gäste richtig bedient", erklärt Trainer Gregorio nicht ohne Stolz. Während der junge Mann selbst aus der Hauptstadt Maputo auf die Insel kam, waren unter den Schülern einige, die Matemo noch nie verlassen hatten. "Manche kannten noch nicht einmal einen Fernseher."

16 Stunden Anreise
Der Tourismus wird in den nächsten Jahren seine Spuren in dem nahezu unentdeckten Paradies hinterlassen, Zustände wie am Ballermann auf Mallorca sind jedoch nicht zu befürchten: Neben den Preisen für die edlen Strandhäuser (200 bis 300 Dollar pro Person und Nacht) schreckt auch die lange und teure Anreise Kegelvereine und Sauftouristen ab. Rund 16 Stunden dauert der Flug von Frankfurt über Johannesburg nach Pemba. Von der Hafenstadt aus geht es mit dem Kleinflugzeug (ca. 20 Minuten) oder per Boot (ca. drei Stunden) auf die Insel Matemo.

Unerforschte Weltklasse-Tauchreviere
Im Paradies gelandet, sind die Strapazen schnell vergessen: An kaum einem anderen Ort der Welt können Urlauber beim Tauchen oder Schnorcheln solch eine Vielfalt erleben: Zwischen den intakten Korallen-Bänken tummeln sich tropische Fische in allen Farben und Formen, einige von Ihnen gibt es nur hier. In Sichtweite des Bootes posieren Delfine, Wasserschildkröten und mit etwas Glück sogar Wale oder die seltenen Dugongs (Seekühe) für die Kamera. An den feinen Sandstränden werden jede Nacht Muscheln angeschwemmt, die der Urlauber sonst nur als teuere Souvenirs kennt. Und wer sich sein Dinner selbst fangen will, kann beim Hochseeangeln Tunfischen, Barracudas und Marlins mit modernster Technik nachstellen und beim Strandbarbecue fangfrisch genießen.

Ibo - die verlassene Insel
Doch die Quirimbas bieten mehr als nur idealen Strandurlaub. Nur 30 Minuten von Matemo entfernt können Urlauber auf der Insel Ibo in die Geschichte des Sklavenhandels eintauchen. Auf der "verlassenen Insel" scheint die Zeit vor 200 Jahren stehen geblieben zu sein. Die Häuser im Kolonialstil sind verfallen, das Fort mit den zum Meer gerichteten Kanonenrohren wuchert langsam zu. Seit 1992 gehört Ibo zum Weltkulturerbe der Unesco – gepflegt wird dieses Erbe bisher noch nicht.

Mit der Dhow in den Sonnenuntergang
Mindestens einmal sollte jeder Urlauber das Motorboot gegen eine Dhow, eines der typischen Fischerboote mit dem arabischen Dreieckssegel, getauscht haben. Wer begleitet von den allgegenwärtigen fliegenden Fischen in den Sonnenuntergang fährt, versteht vielleicht, warum viele Einwohner ihre Insel noch nie verlassen haben.

Reisetipps Anreise: ca. 16 Stunden, z.B. ab Frankfurt nach Johannesburg und von dort nach Pemba. Von Pemba aus geht es per Schiff oder Motorflugzeug auf die Quirimba Inseln.
Hotels: z.B. Matemo Island Resort (www.matemoresort.com) oder Medjumbe Island Resort (www.medjumberesort.com) der Hotelgruppe Rani Resorts (www.raniresorts.com)
Kosten: Anreise ca. 1500,- EUR, Hotel ca. 250,- EUR pro Person
Pauschalangebot: Wer die Quirimbas und das Bazaruto-Archipel vor der Küste Mosambiks kennen lernen möchte, der kann eine kombinierte Reise beim Veranstalter Intosol buchen (www.intosol.de). Der Reisepreis für 14 Tage beträgt ab 3140,- Euro pro Person im Doppelzimmer inklusive Transfers.

Freitag, 18.08.2017,  2:58:26 Uhr